Viele Großstädte (> 100.000 Einwohner) stehen in diesem Jahr unter besonderem Zeitdruck: Für sie endet die gesetzliche Frist zur Fertigstellung der kommunalen Wärmeplanung am 30. Juni 2026. Während viele Verwaltungen in den vergangenen Monaten intensiv an Datenerhebung, Szenarienentwicklung und Maßnahmenplanung gearbeitet haben, beginnt jetzt eine entscheidende Phase – der fertige Wärmeplan muss politisch beschlossen werden.

Nun zeigt sich, wie wichtig eine gezielte und frühzeitige Kommunikation mit dem Rat ist. Ratsmitglieder müssen in kurzer Zeit komplexe technische, wirtschaftliche und strategische Inhalte bewerten und gleichzeitig politische Auswirkungen einschätzen. Ohne strukturierte Informationsangebote entsteht schnell Unsicherheit.

Wie lässt sich das vermeiden?

Eine zentrale Maßnahme ist die verständliche Aufbereitung der Kernergebnisse. Den Ratsmitgliedern muss natürlich der vollständige, finale Bericht vorgelegt werden, aber für ein besseres Verständnis benötigen sie keine Detailtiefe wie Fachplaner, sondern klare Entscheidungsgrundlagen. Dies liefert eine Executive Summary in Form eines kompakten Foliensatzes oder auch ein FAQ-Dokument. Darin sollten die Antworten auf folgende Fragen enthalten sein: Welche strategische Richtung schlägt der Wärmeplan vor? Welche Investitionen sind mittel- und langfristig zu erwarten? Welche Risiken bestehen, wenn Maßnahmen nicht umgesetzt werden?

Inhaltlich achten Ratsmitglieder besonders auf Versorgungssicherheit, Kostenfolgen für Kommune und Bürgerschaft sowie Umsetzbarkeit im lokalen Kontext. Der Wärmeplan sollte daher klar darstellen, wie realistisch Zeitpläne sind, welche Fördermöglichkeiten bestehen und welche konkreten Vorteile sich für die Kommune ergeben, etwa bei Klimazielen, Standortattraktivität oder langfristiger Infrastrukturplanung.

Kommunikation als Erfolgsfaktor der kommunalen Wärmewende

Zur Vorbereitung sind auch dialogorientierte Formate entscheidend. Informelle Fraktionsgespräche ermöglichen es, Fragen frühzeitig zu klären und politische Perspektiven aufzunehmen. Aber auch gemeinsame Informationsveranstaltungen für den gesamten Rat können helfen, einen einheitlichen Wissensstand zu schaffen und Diskussionen zu versachlichen. Eine neutrale Moderation kann dabei helfen.

Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Verbindung zur Öffentlichkeit. Ratsmitglieder entscheiden leichter, wenn sie wissen, was Bürgerinnen und Bürger wollen und dass sie informiert sind und die strategische Richtung nachvollziehen können. Politische Entscheidungsträger möchten wissen, ob Maßnahmen nachvollziehbar sind, ob mit Widerständen zu rechnen ist und wo Informations- oder Dialogbedarf besteht. Verlässliche Rückmeldungen aus Bürgerdialogen, Beteiligungsformaten oder repräsentativen Stimmungsbildern geben hier Sicherheit. Aus vielen Projekten zeigt sich ein relativ klares Muster: Bürgerinnen und Bürger unterstützen die Wärmewende grundsätzlich, erwarten aber Transparenz zu Kosten, Zeitplänen und persönlichen Auswirkungen. Besonders wichtig sind Fragen wie: Was bedeutet der Wärmeplan konkret für mein Gebäude? Welche Investitionen kommen auf mich zu? Gibt es Wahlmöglichkeiten zwischen Technologien? Und wie sicher ist die zukünftige Wärmeversorgung? Wenn Kommunen diese Perspektiven strukturiert erfassen und für den Rat verständlich aufbereiten, steigt die politische Entscheidungsfähigkeit.

Wer den Rat frühzeitig informiert, strukturiert einbindet und klare Entscheidungsgrundlagen schafft, erhöht die Chancen deutlich, dass der Wärmeplan fristgerecht beschlossen wird und die Umsetzung zügig starten kann.

Charlotte Schulze Tenkhoff - Strategieberaterin für Kommunikation, Marketing und Standorte

Charlotte Schulze Tenkhoff

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