Beim Thema Künstliche Intelligenz sind Staunen und Euphorie einer realistischen Einschätzung gewichen. Wir wissen, was sie kann, was nicht, und ungefähr auch, was sie können wird. Fest steht: KI verändert Geschäftsmodelle, Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten erheblich. Für alle Wirtschaftsstandorte stellt sich damit die Frage: Wie können wir vom KI-Boom profitieren, gern: stärker als andere? Und welche Rolle kann die Wirtschaftsförderung beim Aufbau entsprechender Innovationsökosysteme übernehmen?
Viele Regionen verfolgen derzeit Strategien, um sich als Standorte für KI-basierte Innovationen zu positionieren. Häufig stehen dabei Forschungsprogramme, Start-ups oder Technologiecluster im Mittelpunkt. Weniger häufig wird jedoch diskutiert, welche Bedeutung KI für die regionale Standortentwicklung hat – und wie Wirtschaftsförderungen Unternehmen beim Zugang zu Technologien, Kompetenzen und Infrastruktur unterstützen können.
KI verändert die Anforderungen an Wirtschaftsstandorte
Der Einsatz von KI nimmt in vielen Branchen rasant zu. In der Industrie ermöglicht sie etwa vorausschauende Wartung, automatisierte Qualitätskontrolle oder optimierte Produktionsplanung. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle rund um Datenanalyse, Plattformökonomie oder digitale Dienstleistungen.
Für Unternehmen wird der Zugang zu KI-Kompetenzen damit zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor. Neben Fachkräften und Forschungseinrichtungen spielen auch digitale Infrastruktur und Innovationsnetzwerke eine zentrale Rolle.
Für Regionen bedeutet das: Standortpolitik muss zunehmend auch technologische Innovationsbedingungen berücksichtigen.
Zugang zu Infrastruktur und Kompetenzen als zentrale Herausforderung
Viele KI-Anwendungen benötigen erhebliche Rechenkapazitäten, schnellsten Zugang zu Daten sowie Möglichkeiten zum experimentellen Einsatz neuer Technologien. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen stoßen hier häufig an Grenzen.
Zentrale Voraussetzungen für den Einsatz von KI sind beispielsweise:
- Leistungsfähige Recheninfrastruktur,
- Zugang zu Daten und Cloud-Systemen,
- Kooperationen mit Forschungseinrichtungen und
- Testfelder oder Reallabore für neue Technologien.
In vielen Regionen entstehen daher sogenannte KI-Ökosysteme, in denen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und öffentliche Akteure miteinander vernetzt sind. Ziel ist es, Innovationen zu beschleunigen und den Transfer neuer Technologien in die Wirtschaft zu erleichtern.
Neue Aufgaben für die Wirtschaftsförderung
Mit dieser Entwicklung erweitern sich auch die Aufgabenfelder der Wirtschaftsförderung. Neben klassischen Themen wie Unternehmensansiedlungen oder Gewerbeflächenentwicklung gewinnt der Technologietransfer zunehmend an Bedeutung.
Wirtschaftsförderungen können beispielsweise:
- Netzwerke zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen initiieren
- Informations- und Beratungsangebote zu KI-Technologien bereitstellen
- Innovationszentren oder Transferplattformen unterstützen
- Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen fördern.
Gerade für mittelständisch geprägte Regionen kann eine solche Vermittlungsrolle entscheidend sein, um Unternehmen den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern.
Industriestandorte im Wandel
Die zunehmende Bedeutung digitaler Technologien eröffnet auch neue Perspektiven für klassische Industriestandorte. Viele Regionen stehen vor der Herausforderung, bestehende Industrieareale im Zuge des Strukturwandels neu zu entwickeln.
Hier können KI-basierte Innovationen eine wichtige Rolle spielen. Ehemalige Industrieflächen bieten häufig gute Voraussetzungen für neue Nutzungen – etwa durch vorhandene Infrastruktur, große Gebäude oder gute Verkehrsanbindungen.
In vielen Städten werden solche Standorte daher gezielt zu Innovationsquartieren oder Technologieparks weiterentwickelt.
Zwischennutzung als Innovationsmotor
Ein wichtiger Ansatz bei der Transformation von Industriearealen ist die temporäre oder experimentelle Nutzung bestehender Gebäude. Zwischennutzungen können dazu beitragen, neue Akteursgruppen anzuziehen und innovative Projekte zu ermöglichen.
Beispiele hierfür sind:
- Innovationslabore und Maker-Spaces
- Gründerzentren für technologieorientierte Start-ups
- Forschungs- und Entwicklungsstandorte
- Testfelder für neue digitale Anwendungen.
Solche Formate schaffen Räume für Experimente und Kooperationen – wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung regionaler Innovationsökosysteme.
KI-Ökosysteme als Bestandteil moderner Standortpolitik
Die Entwicklung von KI-Kompetenzen wird in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für Regionen werden. Dabei geht es weniger um einzelne Projekte als vielmehr um den Aufbau funktionierender Innovationsnetzwerke.
Für die Wirtschaftsförderung bedeutet das, technologische Entwicklungen stärker in regionale Strategien zu integrieren. Neben klassischen Standortfaktoren gewinnen damit zunehmend auch Aspekte wie Wissenstransfer, Dateninfrastruktur und Innovationskultur an Bedeutung.
Fazit: KI als neues Handlungsfeld der Wirtschaftsförderung
Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Treiber wirtschaftlicher Transformation. Regionen, die Unternehmen Zugang zu Kompetenzen, Infrastruktur und Innovationsnetzwerken bieten, können langfristig Wettbewerbsvorteile entwickeln.
Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Perspektiven für die Transformation bestehender Industriestandorte. Ehemalige Industrieflächen können zu Innovationsräumen werden, in denen neue Technologien entwickelt und erprobt werden.
Für die Wirtschaftsförderung entsteht damit ein neues strategisches Handlungsfeld – an der Schnittstelle von Technologiepolitik, Standortentwicklung und Strukturwandel.

Michael Siegl
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