Das Arbeitsumfeld bei Stadtwerken ist meist noch sehr »geregelt«. Es erinnert an die Stadtverwaltung. Das hat Jahrzehnte funktioniert – und ist auf den ersten Blick sehr arbeitnehmerfreundlich. Aber erstens erfordert die Digitalisierung des Geschäfts neue Arbeitsweisen. Und zweitens will die neue Generation von Fachkräften auch ganz anders arbeiten.

Auf den ersten Blick ist die digitale Transformation nur ein Schlagwort von vielen. Was heißt das schon anderes, als dass wir Geschäftsprozesse nach und nach digitalisieren und im Vertrieb ein bisschen »Big Data« machen? Und Blockchain natürlich. Das reicht aber heute lange nicht. Digitale Transformation bedeutet vor allem eine Veränderung im Denken. Und das Erschließen von neuen, digitalen Geschäftsfeldern.

Die wichtigsten Treiber hierfür? Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit digitale Transformation im Stadtwerk gelingen kann, braucht es eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter Ideen einbringen können, mehr Selbstverantwortung übernehmen und auch Fehler machen dürfen bei der Entwicklung neuer Dinge. Kurz gesagt: Mehr Teamarbeit. Mehr Offenheit beim Ergebnis. Mehr Unsicherheit auf dem Weg dorthin.

Dazu gehört mehr Flexibilität im Arbeitsalltag, zum Beispiel bei den Arbeitszeiten und den Kommunikationsmitteln, aber auch ansprechend eingerichtete Büroräume, die Teamarbeit ermuntern und Kreativität anregen. Und vor allem: die Bereitschaft, alte Arbeitsweisen über Bord zu werfen.

Aber nicht alle Mitarbeiter mögen das sofort. Die Digitalisierung kann auch Ängste mit sich bringen. Deshalb bedeutet Digitale Transformation in Stadtwerken auch: mit gutem Beispiel vorangehen, viel erklären, alle mitnehmen – ein breiter Change-Prozess also. Echter Dialog statt Dienstanweisung, Workshop statt Wochenmeeting. Nur wenn die Menschen mitziehen, entstehen auch neue Geschäftsmodelle, die den veränderten Kundenbedürfnissen gerecht werden.

Viel einfacher (oder doch komplizierter?) ist es bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neuen Typs: Denn die Fachkräfte von morgen setzen all das als selbstverständlich voraus. Und fragen im Bewerbungsgespräch nicht mehr zuerst nach dem Gehalt und den sozialen Leistungen. Sondern: nach Homeoffice. Nach Teilzeit. Nach Sabbaticals. Nach der Work-Life-Balance im Allgemeinen.

Offene Arbeit in Teamstrukturen, agil und flexibel? Danach fragen sie vermutlich deshalb nicht, weil sie sich nichts anderes vorstellen können. Aber trotzdem – Stadtwerke, die auch in Zukunft fähige Mitarbeiter für komplexe Aufgaben finden wollen, müssten digitale Arbeitsweisen nach vorne stellen. Das erhöht die Arbeitgeberattraktivität sofort.

Die digitale Transformation verändert un- sere Unternehmen. Uns, die dort arbeiten. Und die Art, wie wir das gemeinsam tun. Das kann sich sehr gut anfühlen – wenn wir es gut planen.

Ich schreibe regelmäßig Kolumnen für die ZfK. Lesen Sie hier mehr.

Prof. Dr. Stefan Lennardt

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